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v. 26.9.1914 vermißt seit dem Sturm der
3.Kompanie
des
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| Karl Wagner leistete seinen
Militärdienst in
den Jahren 1909 bis 1911 beim 4.Großherzoglich Hessischen
Infanterie-Regiment
Prinz Carl Nr.118 ab, das damals in Worms in Garnison lag. Aus dieser
Zeit
stammt auch das Bild, auf dem das hesssiche Koppelschloß mit der
Krone gut zu erkennen ist.
In der folgenden Friedenszeit rückte er auch Wehrübungen ein, so schreibt er z.B. im Spätsommer 1913 während eines Manövers eine Karte aus Mörchingen in Lothringen an seine Braut Katharina Staudt. Zu diesem Zeitpunkt schien die Zukunft für beide noch absolut friedvoll und glücklich zu sein. Doch dann kam der 1.August 1914, ein Sonnabend! Wie in allen deutschen Städten und Dörfern verkündet auch in Naunheim gegen 18.00 Uhr der Ortsdiener die Mobilmachung des deutschen Heeres und der Flotte, der 1.Mobilmachungstag war der kommende Sonntag, der 2.August 1914. Fast alle Reservisten und Landwehrmänner im Dorfe sind zu Regimentern eingeteilt, die entweder in Kassel selbst, oder aus organisatorischen Gründen in größeren Städten in der Umgebung liegen. Viele junge Männer sind daher zum aktiven Infanterie-Regiment 167 in Kassel beordert, andere kommen in das neu aufzustellende Reserve-Infanterie-Regiment Nr.83, so zuerst auch Karl Wagner. Da das I.Bataillon dieses neuen
Reserve-Regiments in
Arolsen (Waldeck), das II.Bataillon in Kassel und das III.Bataillon in
Marburg a.d.Lahn mobil gemacht wird, kommt er aufgrund der
geographischen
Nähe zu seinem Heimatort Naunheim in die 9.Kompagnie des
III.Bataillons,
dem auch viele andere Soldaten aus Naunheim angehören.
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| Am 8.August schreibt Karl Wagner von
Marburg aus an
seine Braut Katharina, um ihr die neue Einheit, die 9.Kompagnie des
Reserve-Infanterie-Regiments
Nr.83, mitzuteilen. Am 9.August antwortet sie, aber diese Karte
erreicht
ihn in Marburg nicht mehr. Was war passiert? Unmittelbar vor dem
Abmarsch
kommt der Befehl, daß ein Kommando von 5 Mann nach Cassel zu
fahren
hat, um dort nähere Befehle für die Bewachung eines Bahnhofs
zu bekommen. So kann aus einer Karte vom 13.August herausgelesen
werden,
daß Karl Wagner zu diesem Kommando gehörte, dazu noch
weitere
4 Naunheimer, nämlich sein Schwager Heinrich Neeb X., Friedrich
Schäfer
(der am 22.9.15 im ResInfReg 234 bei Ypern fallen wird) sowie zwei
weitere
Wagner, Karl und Heinrich. Der zu bewachende Bahnhof war der von
Guntershausen,
ein wichtiger Eisenbahnknoten unmittelbar südlich von Cassel
gelegen,
in dem von dort kommend die eine Hauptstrecke nach Bebra, die andere
über
Marburg und Gießen in Richtung Frankfurt/Main weiter führte.
Vor dem Abmarsch besuchen die fünf noch die Kaserne der 167er, sie
treffen jedoch keinen ihrer Naunheimer Kameraden mehr an, denn diese
sind
bereits ausgerückt, auch Karls Bruder Heinrich ist schon an der
Front.
Seiner Braut rät Karl Wagner vorerst, ihm nicht zu schreiben, denn "wir ziehen dauernd umher", was wohl heißen soll, daß für eine geregelte Unterkunft nicht gesorgt ist. |
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| Bis in die ersten Septembertage
verläuft nun
alles seinen geregelten Gang, Wache und Ruhe lösen sich ab. Dann
aber
plötzlich, am 4.September, schreibt er: "Wie ich Dir mitteile,
kommen
wir heute nach Cassel zurück, und so schreibe mir eher nichts, bis
ich Dir wieder die Adresse schreibe, da sich diese doch ganz
wahrscheinlich
wieder ändert."
Um zu verstehen, was passiert ist, müßen wir uns die große Lage an der Front im Westen ansehen. Nach einem gewaltigen Vormarsch durch Belgien und Frankreich stehen die deutschen Armeen mit ihrem rechten Flügel in der Nähe von Paris an der Marne. Hier findet vom 7. bis 10. September eine gewaltige Schlacht statt, die damit endet, daß die Deutschen ihren rechten Heeresflügel zurücknehmen müßen. In den darauffolgenden Tagen kommt es zu erbittertsten Kämpfen, um die Front wieder zu stabilisieren. Seit etwa mitte September ist vor allem der Höhenzug Chemin des Dames westlich von Reims fast täglich im Brennpunkt der Schlacht. Erst jetzt bekommen die erschöpften deutschen Regimenter Ersatz, und zu diesem gehört auch Karl Wagner. Denn in Cassel wird ein Ersatztransport
zusammengestellt,
der wohl für das XV.Armeekorps bestimmt ist. Die genaue Einteilung
scheint aber noch nicht vorgenommen worden zu sein, denn Karl schreibt
am 18.September aus Honnef (Sieg), daß er noch nicht weiß,
wohin es geht, "nur nach Frankreich, das wurde uns gesagt". In diesem
Ort
scheint der Transport nochmals angehalten worden zu sein, denn auch von
guten Quartieren ist in der Karte die Rede. Außerdem teilt er
mit,
daß er auf der Fahrt von Kassel nach Hennef durch Wetzlar
gekommen
ist und dort am Bahnhof Karl Staudt getroffen hat!
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links datiert vom 18.9.14 aus Hennef rechts datiert vom 23.9.14 aus einem Ort in Frankreich |
| Vermutlich am 24.September abends trifft
der Transport
beim Regiment ein. Sofort werden die Männer verteilt, Karl Wagner
wird dem I.Bataillon und hier der 3.Kompagnie zugewiesen. Wie schwach
diese
erschöpften Truppenteile trotz der Verstärkung sind,
können
wir in der Regimentsgeschichte nachlesen:
"Am 25.September übernimmt Oberstleutnant von Marschall das Regiment .... die Gefechtsstärke des Regiments ist von 3292 Mann auf noch nicht 1000 Mann trotz des Nachersatzes gesunken." Für den kommenden Tag ist ein weiterer Angriff geplant, der die Franzosen über den Höhenrücken des Chemin des Dames zurückdrücken soll. Der Angriff in Richtung Dorf Craonelle wird einer der blutigsten Schlachttage des Regiments werden..... Die Regimentsgeschichte beschreibt den Angriff wie folgt: "Mit dem I. und II.Btl in vorderer Linie, III. hinter dem rechten Flügel greift das Regiment an.....In flottem Angriff ist bereits 7 Uhr vormittags der befohlene Weg Hurtebise-Beaurieux erreicht. Die Bataillone graben sich in der Reihenfolge von rechts nach links: III., II., I. ein. Der Gegner hat die gegenüberliegenden Höhen in mehreren Etagen besetzt, in denen besondere Stützpunkte eingebaut sind. Spbald unsere Artillerie schweigt, sind alle Gräben sofort wieder besetzt. Ständig liegen die genommenen feindlichen Gräben unter schwerstem, auch flankierenden Artilleriefeuer, an dem sich auch schwere englische Schiffsgeschütze beteiligen......Unsere an sich schon schwachen Bestände erleiden abermals ganz erhebliche Verluste..........Endlich gegen Abend tritt etwas Ruhe ein." Dann wird das Schlachtfeld nach Toten und Verwundeten abgesucht, die Kompaniefeldwebel befragen zurückgehende leicht Verwundete über die Verluste. Es trifft - wohl von Kameraden - zuerst die Nachricht ein, daß Karl Wagner verwundet worden sei, aber eventuell noch "vorne liege". In der kommenden Nacht läßt man weiter suchen, findet ihn aber nicht. So bleibt der Kompagnie nichts anderes übrig, als zu dem Vermerk "verwundet" noch hinzuzufügen "vermißt"! Auch in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten kann man nichts über ihn erfahren. Sein Schicksal bleibt ungeklärt. Möglich ist jedoch, daß er zu den Unbekannten gehört, die man sogar noch nach dem Kriege gefunden hat, und die in einem Kameradengrab auf dem Soldatenfriedhof bei Hurtebise liegen. |
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des Infanterie-Regiments Nr.136 am 26.September 1914 |
| Welche Bedeutung der 26.September 1914
hatte, geht
aus einem überlieferten Brief hervor, den der Divisionskommandeur
von Karl Wagner, der spätere Kriegsminister General Wild von
Hohenborn
an diesem Tage abends an seine Frau schrieb, und in dem er sogar dem
Regiment
von Karl Wagner ein lobendes Denkmal setzt. Darin heißt es u.a.:
"...Nachts nehmen wir das ganze
Angriffsfeld unter
Feuer. Um 5 Uhr früh gehts vor. Von allen Seiten: es geht nicht!!
Aber ich muß! Wir sollen die von Hurtebise in
südwstlicher
Richtung laufende Straße erreichen........Das Artilleriefeuer
ist,
so gut es geht, verteilt. Und wahrhaftig, um 10 Uhr hat die Division
die
befohlene Linie (erreicht)! Die französische Infanterie
reißt
aus, aber die französische Artillerie hält
gräßliche
Ernte (bei uns). Alles gräbt sich ein, im Granatfeuer, steiniger
Boden.
Der linke Flügel (Anm.: das Regiment 136er mit Karl Wagner!) geht
brilliant vor. Leider bleibt rechts und links der Nachbar
zurück.....
Für die Familie von Karl Wagner scheint das Unglück jedoch noch nicht groß genug zu sein, denn Karls Bruder Ludwig fällt am 5.März 1915 im Infanterie-Regiment Nr.167 an der Ostfront bei Jezierzec. So wollte es das Schicksal, daß beide Brüder aus dem großen Völkerringen nicht zurückkehren sollten. |
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Ehrentafel Naunheim |
Namensliste "W" |
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